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Aktionsplan gegen Allergien

Quelle: www.bmelv.de

Mehr Lebensqualität hat der im März 2007 von Bundesverbraucherminister Horst Seehofer vorgestellte Aktionsplan gegen Allergien zum Ziel. Er benennt sechs zentrale Handlungsfelder, in denen konkrete Fortschritte für Betroffene erreicht werden sollen.

Ausgangslage

In Deutschland und vielen anderen Industriestaaten leiden in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen an allergischen Erkrankungen. Vor allem über Pollen, Hausstaubmilben, Lebensmittel und viele Produkte kommen wir täglich mit allergenen Stoffen in Kontakt. Neurodermitis, die allergische Form des Asthmas und Lebensmittelallergien führen bei Säuglingen und Kindern häufig zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen.

Auf Atmungs- oder Lebensmittelallergene reagieren in Deutschland 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen sowie immer öfter Erwachsene. Auch Kreuzallergien treten häufiger auf, das heißt, dass Menschen gleichzeitig zum Beispiel gegen Birkenpollen und Äpfel bzw. Nüsse allergisch sind.

Lebensmittelallergien kommen schätzungsweise bei 2 bis 3 Prozent der Erwachsenen und 4 bis 6 Prozent der Kinder in Deutschland vor. Die Betroffenen leiden unter

  • Hautreaktionen,
  • Übelkeit,
  • Erbrechen und
  • Durchfall,
  • in schwerwiegenden Fällen kann ein allergischer Schock eintreten.

Auf Kontaktallergene reagieren in Deutschland etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung. Mehr als 5 Mio. Menschen (rund 7 Prozent der Bevölkerung) erkranken zumindest einmal jährlich an allergischem Kontaktekzem. Die Tendenz ist steigend.

Die zunehmende Vielfalt an Lebensmitteln und chemischen Stoffen in unserem Umfeld führt zu einem steigenden Risiko, mit Allergenen in Kontakt zu kommen. Dadurch steigt die Gefahr der Sensibilisierung, das heißt der Erkennung eines Stoffes als Allergen durch das Immunsystem. Gleichzeitig nimmt die Gefahr allergischer Reaktionen bei bereits sensibilisierten Allergikern zu. Oft ist die Neigung zu Allergien erblich bedingt. Vor allem bei Kindern scheint auch Tabakrauch die Allergieanfälligkeit erheblich zu erhöhen.

Viele Menschen fragen auch danach, was man tun kann, um sich gegen Allergien zu schützen. Die Vorbeugung vor Allergien kann an drei Punkten ansetzen.

  • Allgemeine Allergievorbeugung:
    Stillen und Aufwachsen in einer rauchfreien Umwelt sind einfache Maßnahmen, die zu einer verminderten Anfälligkeit für Allergien führen.
  • Vermeidung neuer Sensibilisierungen:
    Die Gefahr von Sensibilisierungen wird gesenkt, wenn der Kontakt mit allergenen Stoffen gemieden wird. Zur Vorbeugung trägt auch die Verringerung allergener Stoffe in Kosmetika und Gegenständen des täglichen Bedarfs bei. Zum Beispiel sinkt die Zahl neuer Sensibilisierungen gegenüber Nickel, seit bei der Herstellung von Modeschmuck darauf weitgehend verzichtet wird.
  • Vermeidung allergischer Reaktionen bei Allergikern:
    Ein generelles Verbot aller potentiellen Allergene ist nicht zu erreichen. Dies würde zu einer massiven Einschränkung des Lebensmittel- und Produktangebots führen. Allergiker, denen ihre Sensibilisierung gegenüber bestimmten Allergenen bekannt ist, können diese Stoffe bei entsprechender Kennzeichnung durch gezielte Produktwahl vermeiden. Deshalb müssen z.B. die zwölf wichtigsten Lebensmittelallergene bei verpackter Ware gekennzeichnet werden.

„Allergien sind keine Bagatelle!“

Sie mindern nicht nur die individuelle Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien, sondern auch ihre Leistungsfähigkeit. Für die Betroffenen, das Gesundheitswesen und die Volkswirtschaft entstehen daraus erhebliche Kosten. Die Vorbeugung vor Allergien ist deshalb von großer Bedeutung.

Einige Fortschritte wurden in den letzten Jahren durch Kennzeichnung, Schwellenwerte und Verbote allergener Stoffe bereits erreicht. Rechtliche Vorschriften sind dabei nur eine Möglichkeit. Um die Vorbeugung vor Allergien ganz konkret zu verbessern, können verstärkt freiwillige Vereinbarungen mit der Wirtschaft getroffen werden.

Noch immer aber wissen wir zu wenig über Allergien. Deshalb besteht weiterhin Forschungsbedarf. Wir müssen wissen, wie hoch das Allergie-Risiko verschiedener Stoffe ist. Daneben ist das Monitoring, also die Beobachtung von Allergien in der Bevölkerung, zur Früherkennung neuer Risiken sehr wichtig.

Ausreichende Kenntnisse über Allergien und eine Lebensweise, die die Gefahr einer Sensibilisierung mindert, sind nur bei einem geringen Teil der Bevölkerung vorhanden, insbesondere bei Allergikern. Der Bedarf an gut verständlichen Informationsangeboten für Verbraucherinnen und Verbraucher ist groß. Viele Institutionen, Firmen, Initiativen und Internetportale, bieten Informationen zu Aufklärung und Vorbeugung an. Oftmals sind diese jedoch nicht unabhängig oder richten sich an Fachleute, wie zum Beispiel Ärzte oder Pflegepersonal.

Ziele

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) will mit diesem Aktionsplan das Allergierisiko in der Bevölkerung senken. Die wichtigsten Ziele einer verbesserten Vorbeugung vor Lebensmittel-, Kontakt- und Atemwegsallergien sind:

  • mehr Sicherheit und Lebensqualität für Allergikerinnen und Allergiker im Alltag,
  • die Entstehung von Allergien zu mindern,
  • frühzeitiges Erkennen neu aufkommender Allergien,
  • bessere Information der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie
  • die Entlastung der Volkswirtschaft von vermeidbaren Kosten.

Aktivitäten

Aktuelle Vorhaben des Aktionsplans gegen Allergien umfassen die folgenden Punkte:

  • In Zusammenarbeit mit der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Verbraucherzentrale NRW ist eine Ausstellung zum Aktionsplan gegen Allergien konzipiert worden, die über Allergien in den verschiedenen Lebensbereichen aufklärt und als Wanderausstellung mit Plakaten und interaktiven Info-Terminals in Bibliotheken, Rathäusern, Volkshochschulen, Mütterberatungszentren und Schulen seit 16. Juli bis März 2011 in den fünf Bundesländern NRW, Hamburg, Hessen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern gezeigt wird. Dazu gehören auch weitere Informationen auf den Seiten der Verbraucherzentrale Bundesverband im Internet.
  • Das seit September 2007 aktive Allergie-Internetportal wird kontinuierlich gepflegt und weiter ausgebaut. So wurden im laufenden Jahr die aktuellen Empfehlungen zur Ernährung während der Schwangerschaft, Stillzeit und im ersten Lebensjahr (S3-Leitlinien zur Allergieprävention) implementiert.
    Außerdem wurde im Portal ein Allergie-Risiko-Check online realisiert, der werdenden Eltern hilft, das Risiko einer allergischen Erkrankung ihres Kindes abzuschätzen, und der Tipps zu vermeidbaren Belastungen und zur Allergievorbeugung gibt.

Zentrale Handlungsfelder

Der Aktionsplan umfasst acht zentrale Handlungsfelder, zu denen alle Akteure Projektideen einbringen können.

Was bislang fehlte, war die verstärkte Kooperation zwischen Wirtschaft, Patientenverbänden, Wissenschaft, Medizin und Politik. Der Nationale Aktionsplan gegen Allergien hat diese Lücke geschlossen und gemeinsame Projekte auf den Weg gebracht.

Die gesteckten Ziele können nur gemeinsam erreicht werden. Die Politik ist auf die aktive Mitwirkung und das Engagement aller gesellschaftlichen Akteure in diesem Bereich angewiesen. Auch die Eigenverantwortung von Verbraucherinnen und Verbrauchern für ihre Entscheidungen spielt eine wichtige Rolle.

Ausblick

Der Aktionsplan gegen Allergien konzentriert sich derzeit auf die Felder “Verbesserung des Wissens zur Allergieprävention für junge Eltern” und “Allergie-Monitoring”.

Das Netzwerk “Gesund ins Leben – Netzwerk Junge Familie” hat das Ziel, alle rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren des Kindes tätigen Multiplikatoren, Akteure, Institutionen und Medien zu vernetzen, um jungen Familien Wissen und Kompetenzen zur ausgewogenen Ernährung und zur Allergieprävention sowie zur Verbesserung der Situation von Kindern mit Allergieneigung zu vermitteln. Mit praxisnahen Informationen sollen junge Familien zu einem gesunden Lebensstil motiviert und in die Lage versetzt werden, ihren Alltag entsprechend der Empfehlungen zu gestalten.

Der 1. Netzwerkkongress mit vielen Teilnehmern aus Wissenschaft, Politik, Verbänden, Wirtschaft und Medien fand am 10. Juni 2010 in Berlin statt.

Im Rahmen des Aktionsplans gegen Allergien hat es sich das Bundesministerium für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft (BMELV) auch zum Ziel gesetzt, das Allergiegeschehen in Deutschland systematisch und dauerhaft zu erfassen (Allergie-Monitoring). Zu diesem Zweck wird im Rahmen einer Sentinel-Studie eine Allergiedatenbank erstellt, in die anonymisierte Patientendaten einfließen, die von niedergelassenen Ärzten erhoben werden. Anhand der gewonnenen Daten kann die Entwicklung bekannter Allergien verfolgt und das Aufkommen möglicher neuer Allergene schnell erkannt werden. Dies soll unter anderem dabei helfen, frühzeitig Maßnahmen zur Vermeidung von Sensibilisierungen zu ergreifen. Langfristig soll bundesweit das gesamte Spektrum allergischer Erkrankungen in der Datenbank des Allergie-Monitorings erfasst werden.

Weiterführende Links: